wöchentliche Kolumne
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( Rechtlicher Hinweis: Eine Nutzung dieses Textes, welcher Art auch immer, ist
ausschließlich nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages B. Koischwitz. möglich.! )
Es gibt Leute, die verreisen sozusagen am laufenden Band. Das sind Könner in puncto Kofferpacken. Vor allem beginnen sie klugerweise schon früh morgens ihre Reise, um auch zu einer guten Zeit am Zielort anzukommen. Andere dagegen schaffen es im Höchstfalle gegen Mittag loszukommen, weil sie einfach mit dem Packen nicht fertig werden. Kein Wunder: Solche Leute rennen tagelang um den Koffer herum, völlig unentschlossen und durcheinander. Die Tatsache, von zu Hause wegzufahren, weil die Rosen grad so schön blühen und es im Wald sicherlich viel Pilze gibt, überschattet komplett alle Reisefreuden.
Ich gehöre zu diesen Schattengewächsen. Wochen vorher große Klappe, was ich alles unternehmen will, dann steht der Tag X an und ich versage. In letzter Minute werden die Sachen in den Koffer geschmissen und los gehts. Doch diesmal war es anders: Gut gepackte Koffer standen pünktlich bereit, folglich war ein früher Start möglich. Ja es blieb sogar Zeit, für eine gemütliche Rast mit Mohnkäsebrötchen und dampfendem Kaffee aus der Thermoskanne. Fröhlich und mit guter Musik im Radio setzten wir die Fahrt fort. Doch plötzlich ließ uns eine Meldung des Verkehrsfunks gehörig die Ohren spitzen: "Vollsperrung der Autobahn, vierzehn Kilometer Stau!" Glücklicherweise verfügten wir über ein Navigationsgerät und schon sprach die Dame, die sonst nur links, rechts auf dem Kasten hat. " eine Verkehrsstörung, die Route wurde neu berechnet." Wunderbar jubilierten wir und gratulierten uns gegenseitig, solch ein Gerät angeschafft zu haben. Die Laune blieb ungetrübt an Bord, weil uns das gescheite Ding von der Autobahn herunter führte. Allerdings nur bis zu dem Augenblick, als wir mitten in einem kleinen Nest ganz viele rote Rücklichter vor uns sahen. Millionen andere Leute verfügten ebenfalls über solch eine Navigation. Stillstand! Ich betone das hier so ausgiebig, denn für die nächsten Stunden blieb uns dieser Lebensraum erhalten. Es war etwa um die Mittagszeit, ein leises Hungergefühl kitzelte den Magen. Zu allem Überfluss verharrten wir direkt vor einem kleinen Lokal. Eine Tafel, die man zur besseren Sicht bis an den Straßenrand gestellt hatte, verkündete: "Heute fangfrische Scholle mit Speck und Nordseekrabben!" Mir lief förmlich das Wasser im Mund zusammen. Wenn man gewusst hätte, dass man stundenlang an diesem Fleck verbringt, hätte man ja in Ruhe solch ein Schöllchen verspeisen können. Doch in der Hoffnung, es ginge jeden Augenblick weiter, wagten wir es nicht, auszusteigen. Und tatsächlich rollten wir irgendwann ein Stück, blieben aber in Reichweite der Schollenankündigung erneut stehen. Da hatte ich die Nase voll. "Ich will jetzt eine Scholle, stell den Wagen rechts ran und gut ist!" "Das geht nicht guck doch selbst!" Eine riesige Rosenrabatte hätten wir dem Erdboden gleichgemacht, und wer will das schon riskieren. "Vielleicht kann man die Scholle mitnehmen?" Festentschlossen öffnete ich die Autotür, der liebste Mensch an meiner Seite versuchte mich am Jackenzipfel zu halten, doch ich entglitt. Rücksichtlos, wie der Prinz bei Dornröschen preschte ich durch die Rosen Richtung Scholle. "Ja", erklärte mir der Kellner, die Scholle könnte ich auch mitnehmen, aber leider wäre es schon nach vierzehn Uhr und die mittägliche Küche wäre bereits geschlossen, da müssen sie heute Abend wiederkommen!" Mit gesenktem Haupt kehrte ich in mein "Stehmobil" zurück. Trost gab es natürlich keinen: "Bist du verrückt, wenn es plötzlich weitergegangen wäre!" Ich habe nicht hingehört, denn es dauerte noch eine halbe Stunde, bis sich etwas in Bewegung setzte.
Schritt für Schritt fuhren wir der Nordsee entgegen. Irgendwann kehrten wir auf die Autobahn zurück und schleppten uns Stunden später völlig erschöpft und überhungert in eine Raststätte. Hier setzte ich meinen Willen durch und wählte das Schollenfilet mit Kartoffelsalat. "Leider alle", meinte der Koch hinter der Theke.
Dies war nicht mein Schollentag aber viele andere folgten, bei strahlend blauem Himmel und mit direktem Blick aufs Meer!
Last Updated (Tuesday, 07 September 2010 15:52)

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